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Corona-bedingte Veränderungen im Gesundheitssektor: Erhöhtes Gesundheitsbewusstsein, teilweise Vorbehalte gegenüber Impfungen

16.07.2020
Gesundheitswesen Impfung Corona

OpinionTRAIN 2020: Rogator / exeo untersuchen die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Bereich Gesundheit und das Gesundheitssystem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Schweden

 

41 % der Deutschen erwarten Corona-bedingt nachhaltige Veränderungen im Bereich Gesundheit / Berufe im Pflege- und Krankendienst mit höchster Wertschätzung, und zwar noch vor den Ärzten / Impfungen: Vorbehalte abgebaut, aber teilweise kritische Einstellungen (gerade bei Beschäftigten im Gesundheitssystem) / Deutschland: Etwa jeder Zweite zeigt Bereitschaft zur Teilnahme an klinischen Studien

 

 

In Zeiten von Corona steht das Thema Gesundheit häufig im Zentrum öffentlicher Diskussionen. Die im Vergleich zu anderen Ländern positive Entwicklung der Infektionszahlen und der Sterbefälle während der Corona-Krise in Deutschland werden zum Teil durch die Effizienz des hiesigen Gesundheitssystems erklärt, z.B. durch die vergleichsweise hohe Anzahl von Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern. Allerdings ist die Krise nicht überstanden. Zwar wurde die Corona-App der Bundesregierung bis Anfang Juli 2020 etwa 15 Mio. mal installiert, eine Lösung des Problems ist diese jedoch nicht. Experten warnen vor einer zweiten Infektionswelle. Damit wird die Entwicklung eines Impfstoffes ein Wettlauf gegen die Zeit.

 

„Die Entwicklung eines Impfstoffes erfordert unter anderem, dass eine ausreichende Anzahl von Testpersonen für klinische Studien zur Verfügung steht – und im Falle ausreichender Impfkapazitäten eine hohe Bereitschaft in der Bevölkerung erkennbar ist, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Unsere Studienergebnisse belegen, dass selbst in extremen Krisenzeiten weiterhin teilweise große Vorbehalte gegenüber Impfungen bestehen. Damit sind gleichzeitig große kommunikative Herausforderungen verbunden“, betont Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG und Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.

 

 

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

41 % der Deutschen erwarten Corona-bedingt nachhaltige Veränderungen im Bereich Gesundheit

 

Der Gesundheitssektor zählt zu den Bereichen, in denen die Verbraucher Corona-bedingt die größten nachhaltigen Veränderungen erwarten. In Deutschland sind dies etwa 41 % der Befragten. Nur der Bereich Arbeit (42 %) erhält leicht höhere Werte. Ähnliche Ergebnisse werden auch für Österreich, die Schweiz und Schweden gemessen, wobei in der Schweiz das Thema Gesundheit an vorderster Stelle im Ranking steht (44 %). Erwartungsgemäß werden nachhaltige Veränderungen im Bereich Gesundheit besonders von Personen genannt, die einen engen Bezug zum Gesundheitssystem haben (sie selbst oder Familienmitglieder sind dort beschäftigt). Welche konkreten Änderungen erwartet werden, kann aus der Auswertung der offenen Nennungen abgelesen werden: Besonders häufig geben die Befragten an, dass die Corona-Krise zu einem stärken Gesundheitsbewusstsein (inkl. besserer Ernährung und mehr Sport) führt (18 %), die Ausgaben für Gesundheit steigen (15 %) und Hygiene- und Kontaktbeschränkungen weiter Bestand haben werden (14 %).

 

Berufe im Pflege- und Krankendienst mit höchster Wertschätzung, und zwar noch vor den Ärzten

 

Bei den erwarteten Veränderungen in punkto Gesundheitssystem wird von den Verbrauchern die Thematik Ansehen und Bezahlung der im Pflege- und Krankendienst Beschäftigten offen adressiert. Dieses Ergebnis wird auch durch eine Beurteilung des Ansehens unterschiedlicher Berufe unterstrichen: So erhält die Berufsgruppe Krankenschwester / Pflegepersonal im Ranking von 20 Berufen in Deutschland die höchsten Anteile (77 %) für „hohes Ansehen“, noch vor der Berufsgruppe Arzt / Ärztin (73 %), Feuerwehmann / -frau (55 %) und Polizist / Polizistin (53 %). Während die Vergütung für Ärzte überwiegend als angemessen eingeschätzt wird, ist die Bezahlung von Pflegekräften in den Augen der Studienteilnehmer zu niedrig. In Deutschland bewerten nur 3 % der Befragten die Vergütung im Pflege- und Krankendienst als gut und 6 % als angemessen, 89 % allerdings als zu schlecht.

 

Impfungen: Vorbehalte abgebaut, aber teilweise kritische Einstellungen (gerade bei Beschäftigten im Gesundheitssystem)

 

In Deutschland geben 47 % der Befragten an, dass sie sich früher regelmäßig haben impfen lassen. Damit werden die Niveaus in den anderen Untersuchungsländern deutlich übertroffen (Österreich: 36 %, Schweiz: 37 %, Schweden: 33 %). Offensichtlich führt die Corona-Krise auch zu einer veränderten Einschätzung zum Impfen. In Deutschland sehen 22 % der Studienteilnehmer die Notwendigkeit zur Impfung jetzt eher als früher. Trotzdem bestehen nach wie vor in einzelnen Segmenten erhebliche Vorbehalte gegen das Impfen. 14 bis 20 % der Bevölkerung stehen dem Thema kritisch gegenüber. Etwa 5 % (Deutschland, Schweden) bis 9 % (Schweiz) der Bevölkerung lehnen eine Impfung komplett ab. Gegenüber Vormessungen erweist sich dieser Anteil als sehr stabil. Anders als dies erwartbar wäre, bestehen in Deutschland bei Befragten mit direktem Bezug zum Gesundheitssystem vergleichsweise stärkere Vorbehalte gegen Impfungen. Diese Effekte zeigen sich übrigens auch, wenn das Thema Organspende thematisiert wird.

 

Deutschland: Etwa jeder Zweite zeigt Bereitschaft zur Teilnahme an klinischen Studien

 

In Deutschland sind 48 % der Befragten persönlich bereit, an klinischen Studien zur Erforschung neuer Medikamente teilzunehmen. Dabei haben 8 % bereits praktische Erfahrungen mit klinischen Studien gesammelt und 40 % geben an, eine Bereitschaft zur Teilnahme zu besitzen. Während in Österreich fast 60 % angeben, nicht an klinischen Studien teilnehmen zu wollen, sind dies in Schweden nur 38 %.

 

„Während die Welt gespannt den Augenblick herbeisehnt, dass ein Impfstoff bereitsteht, um Covid-19 großflächig zu bekämpfen und einzudämmen, sind bereits jetzt die Diskussionen absehbar, die sich beim praktischen Einsatz der Impfungen ergeben. Wenn in der Gruppe der Personen mit direktem Bezug zum Gesundheitssystem tendenziell die Vorbehalte größer als in der Öffentlichkeit insgesamt sind, weist dies auf Probleme bei einer Umsetzung einer Impfstrategie hin“, resümiert Prof. Dr. Andreas Krämer, CEO der exeo Strategic Consulting AG und Professor an der University of Applied Sciences in Iserlohn als Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.

 

 

 

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