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Welchen Institutionen vertraut die Bevölkerung in Krisenzeiten? Sieger ist die Polizei, Verlierer sind die Kirchen

10.06.2020
Covid-19 positive junge Frau mit Schutzmaske

OpinionTRAIN 2020: Rogator / exeo untersuchen das Informations- und Medienverhalten sowie das Vertrauen in Institutionen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Schweden

 

Öffentlich-rechtliches Fernsehen: Als Informationsquelle zum politischen Geschehen auf Platz eins im Ranking / Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen: Polizei ist der Gewinner, Verlier sind die Kirchen / Öffentlich-rechtliche Medien: Gegenüber der privaten Konkurrenz ergeben sich deutliche Vorteile in Bezug auf die Nutzungshäufigkeit und die Vertrauensposition  

 

In Zeiten von Corona ist die Gesellschaft besonders stark durch die Aktivitäten staatlicher Institutionen bestimmt. Die Bundesregierung und die EU-Kommission beschließen Maßnahmen für Kontakt- und Abstandsregeln sowie für die Unterstützung von Wirtschaft, Berufstätigen und Verbrauchern; u.a. die Polizei und die Gesundheitsämter sichern die Umsetzung der Maßnahmen. Lange war das Interesse an Nachrichten nicht mehr so groß wie im März und April 2020. Das Robert Koch Institut wird zur prominentesten wissenschaftlichen Einrichtung. Welchen Wert das Funktionieren wesentlicher staatlicher Institutionen für die Gemeinschaft hat, wird aktuell in den USA deutlich. Die US-amerikanische Polizei sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, farbige Bevölkerungsgruppen zu diskriminieren. Nach flächendeckenden Demonstrationen wird die Nationalgarde eingesetzt, um weitere Eskalationen zu vermeiden.

 

„Der Blick über den Atlantik verstärkt das Gefühl, dass der Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit ist. Er funktioniert nur, wenn die Legislative, Exekutive und Judikative ihrem Auftrag entsprechend arbeiten und ein Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Vor diesem Hintergrund sind unsere Studienergebnisse umso bemerkenswerter: Im Ranking der Institutionen kommt die Polizei auf den ersten Platz“, betont Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG und Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.

 

 

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

Öffentlich-rechtliches Fernsehen: Als Informationsquelle zum politischen Geschehen auf Platz eins im Ranking

 

Als Informationsquelle zum politischen Geschehen werden die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in allen vier betrachteten Ländern am häufigsten genutzt. In Deutschland geben drei Viertel der Befragten an, dass sie sich in den letzten Wochen über das politische Geschehen per öffentlich-rechtliche Fernsehsender informiert haben (69 % Österreich, 61 % Schweiz, 63% Schweden). Private Fernsehsender werden in Deutschland am zweitstärksten genutzt (46 %), gefolgt von öffentlich-rechtlichen Radiosendern (41 %) und Tageszeitung (40 %). Soziale Medien und Netzwerke kommen mit 36 % nur auf den fünften Rang. Anders ist das Bild, wenn die Ergebnisse nach Altersgruppen betrachtet werden. In der Gruppe der Unter 30-Jährigen stellen Soziale Medien und Netzwerke (61 %) die wichtigste Informationsquelle dar

 

 

Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen: Polizei ist der Gewinner

 

Auch bezogen auf das Vertrauen, dass die Bevölkerung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk/Fernsehen entgegenbringt, ergibt sich ein positives Bild. Allerdings wird kein Spitzenplatz erreicht. Im Ranking der Institutionen mit dem höchsten Vertrauen erreicht in Deutschland die Polizei den Spitzenplatz (66 % sehr großes / großes Vertrauen), gefolgt von Verbraucherzentralen (63 %), wissenschaftlichen Institutionen (62 %) und Stiftung Warentest (62 %). Erst danach erscheinen öffentlich-rechtliche Medien (58 %), allerdings noch vor dem Bundesverfassungsgericht (57 %) und vor der Bundesregierung (50 %). Am Ende des Rankings stehen Gewerkschaften (36 %), Wirtschaft (34 %) und weit abgeschlagen die Kirchen. Nur etwa 20 % der Befragten vertrauen den Kirchen stark oder sehr stark, bei 35 % ist das Vertrauen gering. 32 % bringen den Kirchen kein Vertrauen entgegen. Das besonders gute Abschneiden der Polizei im Ranking ist übrigens kein rein deutsches Phänomen: Auch in Österreich (67 % sehr großes / großes Vertrauen) und der Schweiz (64 %) kommt die Polizei auf den Spitzenplatz. Nur in Schweden wird die führende Position durch wissenschaftliche Institutionen besetzt (70 %). Hier belegt die Polizei den zweiten Platz.

 

Auch in Bezug auf das Vertrauen gegenüber Institutionen sind starke altersabhängige Unterschiede festzustellen. In Deutschland erreichen in der Altersklasse < 30 Jahre wissenschaftliche Institutionen die beste Beurteilung. Bei den Senioren liegen die Verbraucherzentralen vorne. Unabhängig davon sind die unteren Ränge im Vertrauensranking sehr stabil.

 

 

Öffentlich-rechtliche Medien: Gegenüber der privaten Konkurrenz ergeben sich deutliche Vorteile in Bezug auf die Nutzungshäufigkeit und die Vertrauensposition

 

Nachdem insbesondere die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sowie der Rundfunk wegen ihrer Finanzierung und in punkto Qualität häufiger im Fokus der öffentlichen Diskussion stehen, scheint die Corona-Krise den öffentlich-rechtlichen Informationsanbietern zu einem positiven Schub verholfen zu haben. So ergeben sich gegenüber der privaten Konkurrenz deutliche Vorteile in Bezug auf die Nutzungshäufigkeit und die Vertrauensposition. Gerade aber in der strategisch wichtigen Gruppe der Verbraucher unter 30 Jahren ist das Ergebnis für die öffentlich-rechtlichen Informations- und Unterhaltungsinstitutionen relativ kritisch. Hinzu kommt, dass ein verändertes Mediennutzungsverhalten weiterhin mittelfristig die größte Bedrohung für das öffentlich-rechtliche Fernsehen darstellt. Etwa ein Viertel der Verbraucher sieht persönlich einen in den letzten Jahren reduzierten TV-Konsum. In der Altersklasse < 30 Jahre beträgt der Anteil jedoch bereits 44 %. Erkennbar ist auch der negative Einfluss der Nutzung von Streaming-Angeboten. Personen, die regelmäßig Video-Streaming benutzen, stimmen zu 34 % der Aussage zu, dass sie sich vorstellen können, zukünftig überhaupt kein klassisches Fernsehen mehr zu konsumieren (im Mittel über alle Verbraucher sind dies 21 %). Für das Geschäfts- und Erlösmodell ergeben sich damit weitreichende Konsequenzen, wenn die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernseh-Anbieter weiter zu kontroversen Diskussionen führt und gleichzeitig die künftigen Generationen und Wähler hier weniger Relevanz sehen.

 

„Die mit der Corona-Krise einhergehenden extremen Auswirkungen auf Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft, Soziales und Mobilität haben bei vielen eine starke Verunsicherung und tiefgreifende Ängste ausgelöst. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass Institutionen, die Hilfe und Orientierung anbieten, in der öffentlichen Wertschätzung gewinnen“, resümiert Prof. Dr. Andreas Krämer, CEO der exeo Strategic Consulting AG und Professor an der University of Applied Sciences in Iserlohn als Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.

 

 

 

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