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Schweizer verfügen bei Nutzung von Bussen und Bahnen über das größte Nachfragepotenzial

14.12.2016

MobilitätsTRENDS 2016: Rogator / exeo beleuchten – Schweiz liegt beim Nutzungspotenzial für Busse und Bahnen vorne

 

Nachfragepotenziale für die Nutzung von Bussen und Bahnen in der Schweiz größer als in Deutschland und Österreich / Latente Nachfragepotenziale von mehreren Faktoren abhängig / Dimension „Preis“ ist nur eine (zweitrangige) Nutzungsbarriere für Busse und Bahnen / Schweizer setzen vergleichsweise hohe Kosten für die Autonutzung an

 

Um die steigenden Kosten der Leistungserbringung im ÖPNV zu decken, ist zusätzliches Wachstum erforderlich. Dies kann entweder über eine Verbreiterung der Kundenbasis und/oder über Preiserhöhungen erfolgen. In Deutschland ergeben sich allerdings kaum Anhaltspunkte für einen deutlichen Neukundengewinn. So weist das Statistische Bundesamt einen in den letzten Jahren abnehmenden Nachfragezuwachs im deutschen ÖPNV aus. Laut VDV entfallen ca. vier Fünftel der Fahrten auf Zeitkarten-Inhaber. Gleichzeitig ist die Struktur der Nachfragesegmente in den letzten Jahren relativ unverändert. Der Anteil der Personen in der Bevölkerung, die den ÖPNV selten oder nie nutzen, lag in 2010 bei 64 % und kommt in 2015 auf 67 %: Hinweise auf eine verbesserte Neukundengewinnung ergeben sich folglich nicht.

 

„Die Unternehmen des ÖPNV befinden sich in einer Zwickmühle: Um tatsächlich in größerem Umfang Neukunden für das System Busse und Bahnen zu gewinnen, ist eine wahrnehmbare Verbesserung der Angebotsqualität erforderlich. Die Folge könnte ein kostenbedingter Schrumpfungskurs in strukturschwächeren Gebieten sein“, betont Prof. Dr. Andreas Krämer als Autor der Studie MobilitätsTRENDS 2016. Die Studie untersucht u.a. latente Nachfragepotenziale für die Nutzung von Bussen und Bahnen im D-A-CH-Gebiet.

 

 

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

Nachfragepotenziale für die Nutzung von Bussen und Bahnen in der Schweiz größer als in Deutschland und Österreich

 

Die Affinität der Schweizer Bevölkerung zum Öffentlichen Verkehr (öV) ist Ursache und Wirkung zugleich. Durch massive Investitionen in Infrastruktur und Angebotsdichte ist der öV besonders wettbewerbsfähig. So ist nicht erstaunlich, dass laut aktueller Studie in der Schweiz (18+ Jahre) nicht nur der Nutzungsgrad von Bussen und Bahn mit 78 % sondern auch die Zufriedenheit der Nutzer höher als in den Nachbarländern Österreich und Deutschland ist: Auch der Anteil von Personen mit disponiblem Fahrtenpotenzial ist mit 45 % in der Schweiz höher als in Deutschland (34 %) und Österreich (37 %). Disponible Fahrtenpotenziale liegen dann vor, wenn die Befragten die Nutzung von Bussen und Bahnen am Wohnort erwogen, aber letztendlich diese nicht genutzt haben. Die Vermutung, ein hoher Nutzungsgrad führe zwingend zu einer Sättigung im Markt, lässt sich nicht bestätigen. Im Gegenteil: In der Schweiz ergeben sich bessere Wachstumschancen für den ÖPNV als in den beiden Nachbarländern.

 

 

Latente Nachfragepotenziale von mehreren Faktoren abhängig

 

Das ÖPNV-Nachfragepotenzial ist neben dem untersuchten Land auch von der Altersklasse, der Kundenzufriedenheit und der Pkw-Verfügbarkeit abhängig. Der Anteil von Personen mit disponiblem Nachfragepotenzial ist mit 58 % in der Altersgruppe unter 30 Jahren in der Schweiz besonders hoch. Die hohe Affinität für den ÖPNV in der Schweiz kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass der Anteil an ÖPNV-Nichtnutzern vergleichsweise niedrig ist: So geben in der Schweiz nur 12 % an, sie hätten in den vergangenen drei Monaten kein Mal überlegt, Busse/Bahnen zu nutzen, weil diese grundsätzlich nicht in Betracht kommen. Der Vergleichswert für Deutschland beträgt 27 % und für Österreich 26 %.

 

 

Dimension „Preis“ ist nur eine (zweitrangige) Nutzungsbarriere für Busse und Bahnen

 

In der Studie wurden auch die Gründe für die Nichtnutzung des ÖPNV erfasst. Die Aggregation der Einzelnennungen zu vier Hauptdimensionen verdeutlicht, dass den Dimensionen „Angebot / Fahrplan“ und „Persönliche Gründe“ mit jeweils 55 Prozent bzw. 54 Prozent der Befragten die größte Relevanz bei den Nichtnutzungsgründen für den ÖPNV zukommt. Einerseits handelt es sich dabei um Leistungscharakteristika von Bussen und Bahnen („schlechte Verbindung“, „schlechte Fahrtenhäufigkeit / Taktung“, „kein Angebot im Abendverkehr“ etc.), andererseits spielen Mobilitätseinstellungen und -routinen eine wesentliche Rolle („Fahre immer mit den Auto“, „Kein Bedarf an ÖPNV“, „gehe lieber zu Fuß“ etc.). Auch der Preis spielt bei den Nutzungsbarrieren eine Rolle, hat aber insgesamt betrachtet keine dominierende Relevanz.

 

 

Schweizer setzen vergleichsweise hohe Kosten für die Autonutzung an

 

Bei Entscheidungen in der Verkehrsmittelwahl wird in der Regel unterstellt, dass die Verbraucher bei kurzfristigen Entscheidungen nur die variablen Kosten der Pkw-Nutzung berücksichtigen (Annahme: In diesem Fall sind die fixen Kosten nicht entscheidungsrelevant). Trotzdem zeigt die Untersuchung, dass die Pkw-Nutzer in der D-A-CH-Region neben den Kosten für Kraftstoffe andere, quasi-fixe Kosten einbeziehen. Die Besonderheit: Die Autofahrer in der Schweiz beziehen besonders stark fixe Kostenbestandteile in die Kosten der Pkw-Nutzung ein. Gleichzeitig sind die wahrgenommenen Kosten der Pkw-Nutzung positiv mit der Nutzung des ÖPNV und negativ mit der Autonutzung korreliert. Sprich: Die Schweizer nutzen Busse und Bahn nicht nur deshalb so stark, weil sie über ein gutes Angebot verfügen, sondern auch, weil die Alternative (der Pkw) als relativ teuer wahrgenommen wird.

 

„Die mobile Bevölkerung in der Schweiz rechnet konservativer bzw. langfristiger, wenn Kosten für die Nutzung des eigenen Pkw überschlagen werden. Dies fördert gleichzeitig die Affinität zu Bussen und Bahnen“, resümiert Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG.

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