Wie lässt sich das Teilnahmeverhalten bei Online-Befragungen besser verstehen?

20.05.2019

Warum jemand in die Bearbeitung eines Online-Fragebogens einwilligt, kann verschiedene Gründe haben. Ein Teilnehmer ist entweder intrinsisch oder extrinsisch motiviert. In jedem Fall muss die Kosten-Nutzen-Rechnung zu seinen Gunsten aufgehen.

 

 

Extrinsisch versus intrinsisch

 

Handfeste Anreize von außen – also extrinsische Motivatoren – können zum Beispiel ein kleiner Geldbetrag, Einkaufsgutscheine, Sachpreise, die Teilnahme an einer Verlosung oder auch die Zusage sein, dass pro komplett ausgefülltem Fragebogen ein Baum gepflanzt oder für einen wohltätigen Zweck gespendet wird.

 

Solcherlei Incentives stehen aber natürlich nicht bei jeder Umfrage in Aussicht. Keinen solchen materiellen Anreiz brauchen Menschen mit intrinsischer Motivation, deren Bereitschaft zur Teilnahme aus ihrem Inneren kommt. Sie füllen einen Fragebogen beispielsweise deshalb aus, weil sie

 

  • ein großes Interesse am Thema haben,
  • neugierig sind,
  • sich freuen, nach ihrer Meinung gefragt zu werden,
  • das Gefühl haben, etwas bewegen und Einfluss auf die Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen nehmen zu können, oder auch
  • nicht mit einer Absage enttäuschen möchten.

 

 

Die Kosten und der Nutzen

 

Der zweite Teil der „Rechnung“ betrifft die Kosten, die jemand für die Teilnahme an einer Umfrage aufwenden muss. Diese sind natürlich, sofern die Umfrage am Bildschirm durchgeführt wird, eher immaterieller Natur – die tatsächlichen Kosten für Strom, Rechnerabnutzung oder auch die Online-Verbindung fallen unter den Tisch. Die Kosten bestehen also grundsätzlich in der Zeit, die für das Ausfüllen benötigt wird und darin, was man in eben dieser Zeit stattdessen nicht erledigen kann. Ein Kostenpunkt ist auch die Bereitschaft, sich gedanklich auf ein Thema einzulassen und möglicherweise unangenehmen Zeitdruck auszuhalten.

 

 

Spezifische Aspekte bei einer Online-Befragung

 

Der oben zuletzt genannte Nutzenpunkt, nämlich das Bedürfnis, niemanden zu enttäuschen, scheidet bei einer anonymen Online-Umfrage allerdings aus – hier gibt es keinen Interviewer in persona, demgegenüber man die Absage äußern müsste. Ebenso fällt der Aspekt des Zeitdrucks weg. Und das ist vermutlich auch der Aspekt, der die Schwelle für die Teilnahme an einer Online-Umfrage niedrig hält:

 

Einen Online-Fragebogen auszufüllen ist flexibel, was Zeit und Ort anbelangt. Der Teilnehmer hat die Freiheit, auf jeder Seite neu zu überlegen, ob er weitermachen oder abbrechen möchte. Niemand setzt ihn unter Zeitdruck, er kann die Fragen auch in Etappen beantworten und er wird nicht „bestraft“, wenn er den Bogen nicht bis zum Ende ausfüllt. Außerdem entfällt der händische Bearbeitungsschritt des In-den-Umschlag-Steckens und Frankierens einer papiernen Umfrage sowie der Gang zum Postkasten.

 

 

Fazit

 

Die Antwort auf die Frage danach, warum jemand an einer Online-Umfrage teilnimmt, lässt sich nicht pauschalisieren, es gibt allerdings Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten. Je konkreter der Vorteil, also der Nutzen für den einzelnen Menschen deutlich wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er den Fragebogen anfängt – und bis zum Ende ausfüllt. Die undifferenzierte Aussage „Ihre Meinung ist uns wichtig“ allein wirkt mit Sicherheit schon lange nicht mehr motivierend. Animierend ist dagegen – neben materiellen Anreizen – eine hohe Transparenz („Wer befragt hier und welchem Zweck dient das?“) sowie die Aussicht auf Veröffentlichung der zusammengetragenen Ergebnisse.

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