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ÖPNV: Kontaktängste und veränderte Arbeitsorganisation bestimmen die Nachfrageentwicklung bei Bussen und Bahnen in 2021

12.01.2021
Frau mit Maske alleine im Bus

OpinionTRAIN 2021: Rogator / exeo untersuchen innerstädtische Mobilitätsveränderungen durch die Corona-Krise in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Schweden

 

Veränderte Mobilitätsstrukturen in Stadtgebieten: Verlierer ist der ÖPNV / Kundenbindung bei Nutzern von Verbund-ABOs mit Fragezeichen / Gefühlte Unsicherheit der Kunden vor einer Ansteckung trotz Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln hoch / Top-Thema: Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht im ÖPNV

 

Vor der Krise noch auf einem stetigen Wachstumspfad hat sich das ÖPNV-Fahrtenvolumen kurzzeitig Richtung Null bewegt, um sich nach Ende des ersten Lockdowns ab Mai 2020 wieder zu erholen. Abschätzungen der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“ gingen vor der Corona-Pandemie davon aus, dass die CO2-Reduzierungsziele im Verkehrssektor erreichbar sind, falls der Modal-Split des ÖPNV am Gesamtverkehr bis 2030 um ein Drittel ansteigt. Allerdings wurde die langjährig positive Entwicklung im ÖPNV durch die Corona-Krise dramatisch unterbrochen. Umso mehr stellt sich die Frage, welche Entwicklungsmöglichkeiten für Busse und Bahnen bis zum Ende und nach der Pandemie bestehen.

 

„Besondere Herausforderungen für eine positive Nachfrageentwicklung von Bussen und Bahnen in 2021 sind zum einen die weiter bestehenden Kontaktängste der Kunden in den Fahrzeugen. Denn diese werden auch bestehen bleiben, wenn größere Anteile der Bevölkerung geimpft sind. Und zum anderen zeigt sich die veränderte Arbeitsorganisation (häufig mit dem Stichwort Homeoffice gleichgesetzt) als große Herausforderung“, betont Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG.

 

 

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

Veränderte Mobilitätsstrukturen in Stadtgebieten: Verlierer ist der ÖPNV

 

Der ÖPNV verliert in der Corona-Krise zweifach: Erstens ist die Mobilität während der Corona-Krise in Städten insgesamt gesunken. Während 2018 noch 42 % der Befragten angaben, jeden Tag im Stadtgebiet unterwegs zu sein, ist der korrespondierende Werte im Nov./Dez. 2020 auf 22 % zurückgegangen (ein starker Treiber ist dabei die Tätigkeit im Homeoffice). Lag der Anteil von Personen, die nicht im Stadtgebiet unterwegs sind in 2018 bei ca. 4 %, hat sich dieser in Zeiten von Corona mehr als verdoppelt (9 %). Zweitens hat eine Verlagerung zwischen den Verkehrsmitteln stattgefunden, und zwar zu Lasten des ÖPNV. Eine Nutzung von Bahn/S-Bahn/U-Bahn/Straßenbahn geben aktuell nur 15 % der im Stadtgebiet mobilen Bevölkerung an (2018: 26 %), bei Bussen sind dies 18 % (2018: 22 %). Weiterhin dominierend ist der Pkw als Verkehrsmittel. Einen starken Zuwachs bei der Nutzerquote erreicht das Fahrrad (aktuell 26 % vs. 19 % in 2018) und die Mitfahrt im Pkw (aktuell 13 % vs. 8 % in 2018). Zwar lassen sich auch Zuwächse im Bereich der Sharing Economy identifizieren, diese spielen aber weiterhin für die Stadtmobilität nur eine eingeschränkte Rolle.

 

Kundenbindung bei Nutzern von Verbund-ABOs mit Fragezeichen

 

Für die örtlichen Verkehrsunternehmen haben die Besitzer von Zeitkarten eine strategische Bedeutung, entfallen doch die größten Anteile der Fahrten und Einnahmen auf dieses Kundensegment. In Deutschland besitzen 19 % der Befragten ein Verbund-ABO (25 % in Österreich, 27 % in der Schweiz und 21 % in Schweden). Mehr als jeder zehnte ABO-Besitzer beabsichtigt, das Verbund-ABO zukünftig nicht mehr zu nutzen. Bei Befragten mit Besitz eines Verbund-ABOs und mehr als 50 % Tätigkeit im Homeoffice ist das „Exit-Risiko“ aus dem ABO stark erhöht (16 % vs. 8 % bei Tätigkeit ohne Homeoffice). In den Ergebnissen kommt einerseits eine überwiegend hohe Loyalität der ÖPNV-Stammkunden zum Ausdruck, anderseits auch die zukünftig zunehmende Arbeit von zuhause als Treiber für den ABO-Bestand. Geeignete Maßnahmen, um einen Bestandsrückgang bei Abonnenten zu vermeiden, werden aktuell stark diskutiert. Dabei stehen vielfach alternative Ticketmodelle im Vordergrund.

 

Gefühlte Unsicherheit der Kunden vor einer Ansteckung trotz Maskenpflicht ist in öffentlichen Verkehrsmitteln hoch

 

Auch fast ein dreiviertel Jahr nach Ausbruch der Pandemie spielen die Aspekte Maskenpflicht und Abstandsregelungen eine weiterhin wichtige Rolle. In der Schweiz fühlen sich 63 % der Befragten durch die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sicher vor einer Ansteckung, 37 % fühlen sich trotz Maskenpflicht nicht sicher. Deutlich schlechter ist die Momentaufnahme für Deutschland: Nur 42 % der Deutschen fühlen sich im ÖPNV sicher vor einer Infektion, 58 % dagegen nicht. Bei älteren Fahrgästen ist die gefühlte Unsicherheit besonders groß. Die kritischen Ergebnisse für Deutschland haben auch dann Bestand, wenn nur die ABO-Besitzer als Stammkunden des ÖPNV untersucht werden.

 

Top-Thema: Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht im ÖPNV

 

Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht im ÖPNV werden von den Befragten in der DACH-Region als Top-Maßnahmen zur Förderung des ÖPNV während der Corona-Krise bewertet (53 % in Deutschland, 55 % in Österreich, 49 % in der Schweiz). Ebenfalls hoher Handlungsbedarf betrifft Aspekte wie Kontrolle und Durchsetzung klarer Abstandsregelungen in Bussen und Bahnen, Hinweise auf Einhaltung der Masken- und Abstandsregeln, Verbesserung der Hygiene in den Fahrzeugen (Desinfektion, Reinigung) und Bereitstellung von zusätzlicher Fahrzeug-Kapazität. Ungefähr jeder vierte Studienteilnehmer sieht tarifliche Maßnahmen (z.B. Flexibilisierung von ABO-Angeboten, neue Ticketangebote) als geeignete Instrumentarien zur Nachfragesteigerung im ÖPNV.

 

Langfristig ergeben sich für die Verkehrsunternehmen sehr wohl Chancen für die Rückgewinnung von Kunden, die während der Corona-Krise an andere Verkehrsmittel verloren gegangen sind. So sind die Angaben der Befragten zur ÖPNV-Nutzung vor und nach der Corona-Krise relativ ähnlich. Umso wichtiger ist, dass durch geeignete Maßnahmen und eine zielgerichtete Kommunikation ein Vertrauensaufbau erfolgt.

 

„Die Studienergebnisse sind insofern ernüchternd, als dass auch nach vielen Monaten mit verordneter Maskenpflicht eine ernst zu nehmende Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Masken- und Abstandsregelungen besteht. Auch wenn Verstöße gegen die Regelungen objektiv eine absolute Ausnahme darstellen sollten, sind sie subjektiv stark präsent und führen bei den Fahrgästen zu Verunsicherung“, resümiert Prof. Dr. Andreas Krämer, CEO der exeo Strategic Consulting AG und Co-Autor der aktuellen Studie OpinionTRAIN.

 

 

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